Führung für Großeltern und ihre Enkelkinder-Nürnberger Felsengänge

Auf Schatzsuche in den historischen Felsengängen unter der Nürnberger Burg

20180616_153026

Fußballweltmeisterschaft bedeutet auch immer geringeres Interesse an anderen Veranstaltungen. So haben kurzfristig mehrere Personen abgesagt oder sind ganz einfach nicht erschienen. Daher waren nur fünf Großmütter – keine Großväter – und fünf Grundschulkinder am 16. Juni 2018 mit dabei. Das erscheint zunächst sehr bedauerlich, 20 hätten es schon sein dürfen, erweist sich dann aber als wunderbare Gelegenheit, sehr individuell geführt zu werden.

Der Einstieg in die Unterwelt erfolgt am Albrecht-Dürer-Platz. Die Kinder und die Erwachsenen haben gutes Schuhwerk an und Jacken mitgebracht. Alle müssen gelbe oder orangefarbene Warnwesten anziehen, damit man sich leicht finden kann, falls eine falsche Abzweigung genommen wird. Einige haben eine Taschenlampe dabei oder sogar eine Stirnlampe auf dem Kopf.

20180616_143623
20180616_143556
20180616_153916
20180616_150643
20180616_144808
20180616_145235
20180616_155153
20180616_154629
20180616_153228
20180616_153026
20180616_152948
20180616_152909
20180616_152638
20180616_151920
20180616_151854
20180616_151416
20180616_151304
20180616_145335
20180616_145332
20180616_155255
previous arrowprevious arrow
next arrownext arrow

Oft sieht man auch Wände, die in heutiger Zeit mit Mauerankern verstärkt wurden, und gewaltige Fundamente aus Beton aus den letzten Jahren.

Es wird nun sehr spannend, denn unsere kompetente Führerin, Claudia Oelsner, verteilt Schriftrollen mit Anweisungen, einen Trichter, eine leere Flasche und einen Eimer an die Kinder, denn wir laufen nicht ziellos durch die langen Gänge und Gewölbe, nein, denn ein Kellergeist hat sich gemeldet und mit trauriger Stimme aus dem „Off“ gebeten, dass man ihm doch bitte frisches Wasser bringen solle, weil er sonst nicht mehr singen und tanzen könne. Die Kinder sind sofort mit Eifer dabei.

Auf einer Schriftrolle steht in schwer lesbarer „Alter Schwabacher“ Schrift wie der Weg zu dem unterirdischen Wasser zu finden sei.

Das ist sehr wichtig und die Kinder eilen voran, zwischendurch werden wieder Anweisungen aus den Schriftrollen gelesen, manchmal gibt es noch Erklärungen zu den Felsenkellern auf Bildern an der Wand. Wie funktioniert die Frischluftzufuhr mittels eines Rohres an der Schattenseite eines Hauses zur Sonnenseite hin? Was hat das merkwürdige Sternensymbol zu bedeuten? Es ist ein Hexagramm, der Brauereistern, wahrscheinlich ein Schutzzeichen, um die hier befindliche Brauerei vor Feuer und Unglücken zu bewahren.

Schon lange geht keines der Kinder mehr an der Hand seine Großmutter! Das Wasser für das Gespenst ist so dringend nötig und nach langer Suche steht man vor einem tiefen Brunnen: hier gibt es das „blaue Gold“. Dieses Wasser kommt über die „geheimen Gänge“, die einst zur Gewinnung von Wasser entlang der wasserführenden Schichten angelegt wurden, um die Wasserversorgung der Stadt zu sichern.

Wasser für den Kellergeist! Der Eimer wird am Seil etwa 30 Meter hinunterlassen, mit Wasser gefüllt wieder hochgezogen und mittels des Trichters in die mitgebrachte Flasche gefüllt – atemlose Spannung. Alle Kinder haben zusammengeholfen und rennen schier zu dem Ort, wo das Gespenst sich aufhält und sehnsüchtig wartet. Vor einem Gittertor stellen die Kinder gemäß Anweisung die Wasserflasche ab und es dauert nicht lange und die Stimme des Gespenstes meldet sich hocherfreut, dass es nun Wasser zum Trinken habe um wieder lustig umhertanzen zu können.

Als Dank darf sich nun jedes Kind einen Edelstein aus einem Beutel nehmen, der dort am Gitter hängt.
Was für eine hübsche Erinnerung an die Suche durch die Felsengänge!

Carmen Dittrich
für den Treffpunkt Architektur Ofr./Mfr. der Bayerischen Architektenkammer